Media Meeting #1

ZWISCHEN, MENSCHLICH

fm4 Filmscreening kuratiert von Petra Erdmann

Mittwoch, 21. November | 18.00

@ MKH, Programmkino

Tracing Addai © Ines Moldavsky
The Men behind the Wall © Esthar Niemann
Boomerang © Kurdwin Ayub

The Men behind the Wall (Ines Moldavski, ISR 2018, OmU, DCP, 28min)

Tracing Addai (Esther Niemeier, DE 2018, OmU, DCP, 30min)

Boomerang (Kurdwin Ayub, AT/IRQ 2018, OmU, DCP, 22min)


In der modernen Kommunikation darf man doch seinen Beziehungsstatus unverbindlich, jederzeit und zwischendurch ändern? Ob auf Tinder, snapchat, skype oder per email, die moderne zwischenmenschliche Kommunikation spielt sich in virtuellen Räumen ab. Zwischen den Bildern, Zeilen und Zeichen fließt das soziale Kapital, die Ungewissheit und die Sehnsucht ziemlich ökonomisch.

Die Protagonistinnnen im Kurzfilm-Programm ZWISCHEN, MENSCHLICH begegnen einander über physische und politische Grenzen hinweg. In der Dokumentation The Men behind the Wall datet die israelische Regisseurin Ines Moldavsky palästinensische Männer, die sie auf Tinder sucht und über viele andere Kanäle auch trifft. Dabei überschreitet die Künstlerin subversiv, filmische und kulturelle Linien. The Men behind the Wall wurde auf der Berlinale als bester Kurzfilm ausgezeichnet.

Die Filmemacherin Esther Niemann dokumentiert in Tracing Addai die schmerzhafte Chronologie eines Verschwindens mit animierten Szenen und berührenden Interviews. „Ich bin nicht weggegangen, weil ich von dir weg wollte, merk dir das.“ schreibt Addai in einer email an seine deutsche Mutter. Dann bricht der Kontakt endgültig ab. Addai ist nach Syrien ausgewandert.

Boomerang ist das Kurzspielfilmdebüt der irakischösterreichischen Videokünstlerin Kurdwin Ayub. Nach ihrer famosen Dokumentation Paradies, Paradies! über ihr Familienleben, schreibt Ayub einmal mehr eine schräge Tochter-Vater-Beziehung in ihr Drehbuch. Diesmal sind es echte Schauspieler_innen, die einander nerven. Wie so oft in den Ayub-Filmen, sind Online-Plattformen die inszenatorischen Mittel für kuriose Kunstfiguren und ihre lakonischen Dialogen, die ganz aus dem Leben gegriffen scheinen. „Geh weg, Papa, du bist peinlich.“ – „Ich liebe dich“ antwortet der geschiedene Papa. Er sitzt beinahe den ganzen Film im Auto vor dem Wohnhaus seiner Ex-Frau ab, die ihn nicht zu ihrer Wohnungseinweihungsparty eingeladen hat.

Text: Petra Erdmann