20 Jahre YOUKI – Zwischen damals und heute

von Helena Brunnbauer und Johannes Pucher

Ein Beitrag aus dem kommenden YOUKIzine.

1999

Am Anfang war Hans Schoiswohl, Lehrer, Kulturfreak und Gründervater der YOUKI. Seine Vision und sein unermüdlicher Einsatz haben die YOUKI zum aller ersten Mal möglich gemacht. Als Jugendschiene des Welser Filmfestivals KINOVA fand 1999 erstmals auch die YOUNG KINOVA statt. Beteiligt waren neben Hans Schoiswohl auch: Iris Brunnbauer, Herbert Baumgartner, Heide Kouba, Manfred Pilsz und viele andere. Sie machten aus YOUNG KINOVA den Namen YOUKI. 63 Filme aus 200 Einreichungen wurden für 1500 BesucherInnen im Alten Schlachthof gezeigt. Einer der Siegerfilme hieß „Die Rückkehr der Idioten“.

2000

fand die KINOVA kein zweites Mal statt, doch die YOUKI durfte bleiben. Mit einem vom Ministerium, dem Land Oberösterreich und der Stadt Wels zur Verfügung gestellten Budget konnte die YOUKI fortgeführt werden. Da das Geld von der Stadt erst im September überwiesen wurde, musste das Team 150.000 Schilling aus eigener Tasche vorschießen. Eingereicht wurden 66 Filme, ein Großteil davon aus Oberösterreich. Die YOUKI fand im alten Schl8hof und im Greif statt und hatte zum ersten Mal ein eigenes Büro. Im Jahr zuvor war das Büro der Rucksack von Hans und der war nicht immer auffindbar.

2001

fand die YOUKI erstmals als gefördertes EU-Projekt statt. Da 2001 das europäische Jahr der Sprachen war, wurde das Thema „Europas Sprachen“ auch bei der YOUKI umgesetzt. Das erste Media-Meating, wurde noch wie „eating“ geschrieben, weil es Manfred Pilsz wichtig war, dass es da auch gute Verpflegung für alle gab. Es fand zum Thema „Medienpädagogik im europäischen Kontext“ statt. Die tägliche Berichterstattung von Radio FRECH wurde aus einem Container im Schl8hof gesendet, in dem es ***kalt war. Josef Hader war zu Besuch und riet den SchülerInnen bei einem Medienspaziergang durch Wels: „Nicht alles glauben und ein bisserl was selber ausprobieren“. Genau das machen wir auf der YOUKI.

2002

durfte die YOUKI zum ersten Mal die Räume der Alten Sparkasse in der Pollheimerstraße nutzen. Stargäste waren die Schauspielerin Nina Proll, der Regisseur Wolfgang Murnberger, Kabarettist Alfred Dorfer und Regisseur Bernhard Weirather, dessen Film „Ikarus“ als Eröffnungsfilm gezeigt wurde. Außerdem bekam die YOUKI 2002 den „Großen Landespreis für initiative Kulturarbeit“ und im Greif wurde der Media Literacy Award für innovative medienpädagogische Projekte verliehen, der bisher immer in Wien verliehen worden war. Mit Karl Brousek und Renate Holubek vom Media Literacy Award, entwickelte sich eine wunderbare und lange Zusammenarbeit, die für das nationale Standing der YOUKI sehr wichtig war.

2003

wurde das Medien Kultur Haus am 15.September offiziell eröffnet. Von nun an sollte es das Zuhause der YOUKI sein. Außerdem wurde 2003 in einem MKH-Projekt erstmals ein eigener Film, oder besser gesagt eine soap opera, produziert. Unter der Regie von Robert Buschwenter arbeiteten im Sommer 2003 insgesamt 80 Jugendliche am Dreh der soap opera „drunter&drüber“ mit. Die Themen der Filme, die für die YOUKI eingereicht wurden, waren indessen ernster als in den Jahren zuvor. Einige handelten von Mobbing, Krieg oder Terrorismus. Es waren Werke aus Spanien, Ungarn, Kroatien, Frankreich, Finnland und Tschechien vertreten. Ausgewählt wurden sie vom damals neuen YOUKI-Programmchef Siegfried A. Fruhauf gemeinsam mit der Vorjury. Legendär war es in den ersten YOUKI-Jahren, wenn Robert Buschwenter und Heide Kouba bei der Abschlussgala gemeinsam zu Patti Smith sangen und danach noch „Bella Ciao“ angestimmt wurde.

2004

fand die YOUKI 6 mit 200 Einreichungen statt. Die ausgewählten 70 Filme wurden den 4000 Besucherinnen und Besuchern in 5 Blöcken vorgeführt. Den Hauptpreis erhielt der Film Psycho Zapping mit einer skandalösen Duschszene. Als Pokal gab es dafür den sogenannten Ketchup-Award, der so hieß, weil er in Handarbeit aus einer Ketchupflasche gefertigt war. Der Regisseur Michael Glawogger war zu Gast und lud anlässlich der Fussball EM 2004 regionale Fußballspieler zu einer Diskussion in den Alten Schlachthof ein.

2005

unterstützten 100 Welser Kaufleute die YOUKI indem sie ihre Auslagen mit YOUKI-Sackerln gestalteten. Erstmals gab es in diesem Jahr ein regelmäßig erscheinendes YOUKI Magazin. Hans hatte bei der Diagonale in Graz den Studenten Julian Ausserhofer kennengelernt und ihn eingeladen, Leute um sich zu versammeln, die das Heft täglich veröffentlichten. Weil es in diesem Jahr erstmals knapp 400 Einreichungen gab, wurde das Festival um einen Tag verlängert. Manfred Pilsz, Youki Urgestein der ersten Stunde, wurde im Zuge der YOUKI 7 mit dem „Teaching Award“ des Bildungsministeriums ausgezeichnet. Seine SchülerInnen berichten seit 1999 jedes Jahr im Schülerradio FRECH von der YOUKI. 2005 war übrigens auch das Jahr mit der legendären Schaumstoff-Ausstellung von Josef Trattner.

2006

wurde die YOUKI von Robert Buschwenter und seinen Gästen von MASCHEK eröffnet. Mit 59 ausländischen Einreichungen wurde ein neuer Rekord geknackt, wobei besonders viele Animationsfilme dabei waren. Ein Highlight war in diesem Jahr ein neuer Programmpunkt: Bei der YOUKI-Nightline feierten die Gäste mit dem Welser DJ-Kollektiv „Club Forum“, mit dabei YOUKI-Teammitglied Boris Schuld. Nach dem Erfolg der Youki Sackerl-Aktion im Vorjahr, hat Elke Oberleitner die Aktion auch in diesem Jahr wieder organisiert um die ganze Stadt ins YOUKI-Fieber zu versetzen. SchülerInnen der Berufsschule für kaufmännische Berufe wählten die am schönsten gestalteten Auslagen aus: Der „Sackerl-Award“ war geboren.

2007

wurden 70 Filme aus zehn verschiedenen Ländern gezeigt, darunter Produktionen aus Südkorea, Holland und Norwegen. Beim Media-Meeting ging es um schauerliche Horrorgeschichten und es wurde der österreichische Horrorfilm „In 3 Tagen bist du tot“ von Andreas Prochaska gezeigt. Neben dem Schülerradio gab es in diesem Jahr auch erstmals ein YOUKI Fernsehen, das sein Studio in der Gortana Passage hatte. Federführend beteiligt daran war der spätere YOUKI-Preisträger Stefan Wipplinger.

2008

feierte die YOUKI ihr zehnjähriges Bestehen und bekam eine Torte vom Urbann. Als unvergessliches Geburtstagsgeschenk hatte Heide Kouba initiiert, dass Stefan Ruzowitzky samt seiner Oscar-Trophäe und Simon Schwarz zu Besuch im Alten Schlachthof waren. Die Workshops wurden dieses Jahr von Stars wie Arash T.Riahi (Regie), Peter Roehsler (Kamera) und Nina Kusturica (Schnitt) geleitet. Nachdem auf der YOUKI bisher ausschließlich Leberkäse und Frankfurter Würstel serviert worden waren, versuchte Iris Brunnbauer in diesem Jahr erstmals vegetarisches Essen zu etablieren. Ohne Erfolg, Wels war noch nicht bereit dafür. Im nächsten Jahr gab es wieder Würstel und Leberkäs. Die Freude über das Jubiläum wurde durch das Fehlen von Hans Schoiswohl getrübt. Er konnte krankheitsbedingt das erste Mal nicht bei der YOUKI dabei sein.

2009

war ein Jahr der Trauer für die YOUKI. Am 6. Jänner 2009 ist der Papa der YOUKI, Hans Schoiswohl, einem Krebsleiden erlegen. Mit ihm verlor die YOUKI ihren Erfinder und unvergesslichen Förderer. Vor dem MKH wurden schwarze Fahnen als Zeichen der Trauer gehisst.

Nach dem Verlust von Hans, wurde die Festivalleitung der YOUKI 2009 von dem legendären Trio Peter Schernhuber, Sebastian Höglinger und Rudi Agner übernommen. Auch Anna Spanlang und Laura Lee Röckendorfer waren damals schon dabei. Sie alle waren bereits viele Jahre Teil des YOUKI-Teams und haben von Hans Schoiswohl gelernt. So konnte das Festival auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg werden. Es gab einen neuen Rekord an Einreichungen, einen zusätzlichen Wettbewerb für bis zu 26-jährige und Gäste wie Manuel Rubey, Christiane Rösinger und Alexis de Santos. Am Sonntag nach der Abschlussgala drehten die letzten Festival Gäste im MKH die Anlage auf und tanzten und sangen zu Justice „We are your friends, You´ll never be alone again“. Heide Kouba und Iris Brunnbauer zogen sich nach diesem Jahr aus dem YOUKI-Team zurück.

2010

wurde es erst so richtig abgefahren! Das Thema war „Utopie und Jugendkulturen“ und es gab 462 Einreichungen aus 22 (!) verschiedenen Ländern, darunter Aserbaidschan, Russland, Iran, USA und Kanada! 40 internationale FilmemacherInnen reisten extra zur Youki an und machten Wels wieder zu Hollywels. Die neuen Festivalleiter Peter, Sebastian und Rudi gaben Vollgas. Erstmals wurde ein Stipendium von 1800 Euro für einen „ungemachten“ Film vergeben, eine Vision die noch auf Hans Schoiswohl zurückging und jetzt verwirklicht wurde. Beim Media Meeting zum Thema „Utopien und Jugendkultur“ waren u.a. die Kulturwissenschaftler Diedrich Diederichsen und Magnus Klaue zu Gast. Petra Erdmann kuratierte eine großartige FM4 Filmreihe und es gab einen DJ Workshop mit FM4 Legende Kristian Davidek,Schauspiel Workshops mit Marie Kreutzer, Ursula Strauss und Sabrina Reiter und eine Nightline mit Bernhard Fleischmann und den Partybersekern von Mischgeschick.

2011

wurde das MKH umgebaut. Die YOUKI wurde deshalb im Welios eröffnet und gastierte danach in einem Containerdorf im Messegelände. Das Motto „Probierräume – Ein Schloss auf dem Mond“ bezog sich auf den MKH-Umbau. Das Hamburger Kunstprojekt „A wall is a screen“ lud zu einer Kurzfilmwanderung durch Wels ein, Christoph Twickel hielt eine Lecture zum Thema Stadtentwicklung und es gab einen Fotografie Workshop mit Maria Ziegelböck, der erstmals im Max.Center stattfand. Die Filmemacherin Mona Rafat Zadeh und ihr Kollege Marten Kal kamen aus Amsterdam um den YOUKI-Festivalfilm zu drehen, der dann bei der Abschlussgala gezeigt wurde. Zur Nightline geladen waren unter anderen Peter Licht, Egotronic und 1000 Robota.

2012

war die YOUKI verliebt, deshalb das Motto „Teenager in Love“. Zu Gast waren unter anderem die Journalistin und Gründerin des Missy Magazins Sonja Eismann, der Musiker Jens Friebe und die Regisseure Florian Pochlatko und Jessica Hausner. In Workshops wurden Filmplakate von noch nicht gedrehten Filmen entworfen, Hörspiele produziert und mit Andi Dvorak von Fettkakao die Preise für die YOUKI-GewinnerInnen erschaffen. Bei der Nightline brachten Mile me Deaf und Likewise die Gefühle zum überkochen. YOUKI loves you!

2013

feierte das MKH sein 10-jähriges Jubiläum und die Festivalleitung bekam Verstärkung von Anna Spanlang (Programmchefin), Laura Lee Röckendorfer (Vorstand) und Boris Schuld (technische Leitung). Gefeiert wurde das mit einem Rausch, natürlich nur als Thema des diesjährigen Festivals. Es liefen in diesem Jahr 92 Filme und 110 FilmemacherInnen waren zu Gast, zum Beispiel die chilenische Regisseurin Marialy Rivas, die die YOUKI eröffnete. Für rauschende Feste im Alten Schlachthof sorgten die Sex Jams, Al Bird und das DJ Team Zur Hertha. Auch ein trinkendes Baby spielte eine Rolle (natürlich nur im Film).

2014

wurde die YOUKI 16 Jahre alt und beschäftigte sich mit dem Thema „Teen Pics – Jugend in Serie“. Alles drehte sich um Serien - Klassiker wie Twin Peaks, Dallas und die Simpsons. In den Media Meetings ging es zum Beispiel um den Hype, den diese Serien bei uns auslösen. Bei der Nightline wurde dann gefeiert wie mit 16, ganz nach dem Motto: Work all day, party all night. Es traten auf: Austrian Apparel, Hanna & Dizzy, BulBul, Kreisky und noch viele mehr. Am Ende verabschiedete sich das Dreamteam Sebastian und Peter nach fünf Jahren der Festivalleitung. Sie machten sich auf zu neuen Abenteuern und übernahmen die Leitung der großen Schwester der Youki, der Diagonale, dem Festival des österreichischen Films in Graz.

2015

konnte man sich auf der YOUKI in eine Zeitmaschine setzen und sich in die Zukunft schießen lassen! Man kann das glauben oder nicht, aber es ist wahr. Wir habens erlebt! Genau wie Marty McFly und Doc Brown in „Zurück in die Zukunft“, schließlich sind die bei ihrer Zeitreise auch im Jahr 2015 gelandet! „Beyond Time and Space“ war das Motto der YOUKI 2015 und alle träumten von der Zukunft. Dazu gabs einen Regie-Workshop mit Sebastian Brameshuber, 96 Filme und bei der Nightline wurde abgehoben in neue Galaxien: Monsterheart, Miss Shina & Miss Katinka und WösRapRec. Und außerdem in diesem Jahr relevant: YOUKI heißt Refugees Welcome!

2016

wurde die YOUKI volljährig. Und jetzt? Ernst des Lebens? Ach wo! Lieber „Abhängen“ im MKH, so hieß das Motto in diesem Jahr. Es wird ohnehin viel zu oft alles nur nach Leistung beurteilt! Wie die Welser Jugendherberge. Viele Jahre war sie das Quartier für die YOUKI-Gäste und nun soll sie wegen zu geringer Auslastung geschlossen werden. Die YOUKI-TeilnehmerInnen veranstalteten deshalb einen Trauermarsch zu ehren der Jugendherberge, denn das Motto „Abhängen“ steht nicht im Widerspruch zu kritischem Denken.

2017

packte die YOUKI wieder mal das Fernweh. Deshalb hieß das Motto „En Route – Unterwegs“. Auch in diesem Jahr reisten wieder viele, viele FilmfreundInnen aus der ganzen Welt nach Wels, mit über 500 Filmeinreichungen gab es einen neuen Rekord. Bei den Workshops werden automatisierte Kameras gebaut und bei der Nightline spielt mit La Sabotage eine Band, deren Mitglieder in ihrer Schulzeit am Fadinger-Gym in Linz selbst schon auf der YOUKI waren. Außerdem verabschiedet sich Boris Schuld aus dem Team der Festivalleitung und Anna Rieder und Anna Prischl kommen neu dazu.

2018

feierte die YOUKI ihren 20 Geburtstag. Alle alten FreundInnen und WegbegleiterInnen waren eingeladen und trafen sich im MKH zu einem Revival. Danach zeigten Sebastian und Peter in einer Superselection ihre Lieblingsfilme der letzten Jahre. Bei Highlights wie „Stahl“ vom ehemaligen Youki-Leiter Rudi Agner oder „Barbie und ihre Freundinnen“ von der Schweizerin Andrea Schneider, blieb kein Auge trocken.... vor lauter Spaß! Die diesjährige YOUKI 20 lief unter dem Motto „Zwischen“ und war wieder ein voller Erfolg. Laura Lee Röckendorfer verabschiedete sich am Ende und bekam einen Gutschein für lebenslangen gratis Eintritt auf der YOUKI. Die Festivalleitung schmeißen ab jetzt die beiden Annas (Prischl und Rieder). Auf 20 weitere Jahre YOUKI!