Impressionen zum Filmblock HOME:

Sie packen ihren Koffer und nehmen mit …

Kleider, auf die man gut projizieren kann – GRENZEN …? (R: Liza Darab, BRG Landwiedstraße. Klasse 7A, AUT 2017)

Ihr Leben – A STORY OF EMIGRATION (R: Stephanie Koussa, LBN 2016)

Einen Kohlestift – „” (R: Markus Lerchbaum, AUT 2017)

Die Kindheit – BETWEEN LANDS (R: Lore Rinsoz, CHE 2017)

Ein Kalb –  Ananta Yatra (R: Sunil Pandey, NPL 2017) 

YOUKIs Kurzfilmblock HOME beschäftigt sich mit Migration, Grenzen und Isolation. Die hinteren Reihen im Kinosaal 1 sind fast ausschließlich von Schüler/innen besetzt. Gut so. Viele der Kinder, die in den Filmen vorkommen, müssen bereits im Kindergartenalter der Realität des Krieges ins Gesicht sehen, also sind die Jugendlichen im Saal nicht „zu jung“, um sich mit den schweren Thematiken auf der Leinwand auseinanderzusetzen. Ohne Krieg aufzuwachsen ist ein beinahe ausschließlich westliches Privileg, und damit kommt die Verantwortung, nicht die Augen vor aktueller, globaler Realität zu verschließen.

Den zwei Parabeln „“ und Ananta Yatra hätte mehr Kontextualisierung geholfen, weswegen die Abwesenheit der Filmemacher umso deutlicher aufgefallen ist. Ob die Geschichten tatsächlich erfolgreich ihre Nachrichten an das Publikum transportieren haben können? Einer der Filme hat zumindest großen Anklang bei der Jury gefunden; für mich persönlich eines der cinematografischen YOUKI-Highlights.

Vielleicht umso überraschender, dass GRENZEN…?, der mit Abstand abstrakteste Beitrag, gleichzeitig auch so geradlinig und konzeptuell klar ist, dass ein Input der Filmemacher/innen nicht gefehlt hat. Zum Glück ist nach dem treffenden Schlussstatement der letzten Körperprojektion noch schnell Zeit gewesen, während des Abspanns eine Träne wegzudrücken.

Die Regisseur/innen von A Story of Emigration und Between Lands sind zu unserem Glück zugegen und beantworten schüchterne Fragen eines Publikums, das sich nicht recht traut, tiefer auf die Flüchtlingsthematik der beiden Kurzfilme einzugehen. Die beiden Fragerunden bleiben oberflächlich. Trotzdem bekommen wir guten Aufschluss über den Verbleib der Menschen, die porträtiert werden. Nachdem man die Tragödien, das Leiden von ganzen Nationen und Generationen in einer so kondensierten Form auf sich einwirken hat lassen, erscheinen die Fragen, die man gerade noch stellen wollte, zu trivial. Schließlich geht es hier um komplett traumatisierte Menschen, die ihre Familien an die harte und unvorhersehbare Emigrationsreise verloren haben. Oder um solche, die bereit sind, ihrem Dasein freiwillig einen Schluss zu setzen, um nicht mehr in der allwährenden Depression ihres Lebens existieren zu müssen. Oder auch um Kleinkinder, die aus dem Stehgreif zur eigenen Unterhaltung die Protestslogans in eine verlassene Gegend kreischen, in einem Land, in dem außer Ihresgleichen sie nur wenige verstehen können.

Umso deprimierender dann ein Moment, in dem eine kurze, flüchtige, abwertende Bemerkung von einer der so marginalisierten Personen kommt, die aber ernüchternd daran erinnert, dass Hass auf Roma und die damit verbundenen Stereotype global geltend sind.

Schade war auch, dass die Schüler/innen und Lehrer/innen bei der Fragerunde schon verschwunden gewesen sind. Der Reaktionen einiger von ihnen nach zu urteilen wäre ein Austausch zwischen Filmemacher/innen und gelangweilten welser Teenagern der Empathie der nächsten Generationen zugutegekommen.

von Katarina Nahtman