YOUKI-Reisetagebuch

KILL THE ROAD

Donnerstag, 23. November 2017

Beim Mittagessen habe ich die „Graphikkinder“ Benjamin und Jeremias kennengelernt. Die beiden sind mir in bunten, vollgepatzten Overalls auf der Stiege entgegengekommen. Wieder einmal bin ich überrascht, wie unfassbar nett die Menschen hier sind. Gleich wurde mir erklärt, dass Benjamin der „good Cop“ und Jeremias der „bad Cop“ ist. Sie haben mir von ihrem Graffiti-Workshop und ihren Zielen erzählt. Viele Kinder seien von der Freiheit, die sie ihnen geben, überfordert. Neben den vier Stunden Freude, die sie den Kindern bereiten wollen, ist es Jeremias geheimer Traum, die Kinder vom analogen Arbeiten mit Bildern zu begeistern. Er berichtet von herzerwärmenden Treffen mit Jugendlichen, die als Kind mal einen Workshop bei ihm besucht haben, und ihm dann Jahre später mit Spraydosen an der Donauzeile entgegenkommen. Natürlich darf er dann vor Begeisterung nicht in Tränen ausbrechen – „Oh mein Gott, WIE schön ist das, das ist sooooo super!“ –, sondern muss sich cool geben. „Jo, was geht. Malt ihr da drüben?“ Maaaximal ist ein Fist-Check drin. Erst wenn die Jugendlichen dann ein paar Schritte weitergegangen sind, kann er heimlich weinen, versteckt dabei aber die Tränen unter der Kapuze. Er muss ja seine Coolness wahren.

Wow. Wow wow wow! Hab’ heute sogar ein Mitglied der Jury getroffen, Clara Gallistl. Da ist man so fasziniert von super erfolgreichen Menschen und dann kommt man drauf, dass die ja auch ganz normale Menschen sind. Und daaann kommt man drauf, wie unfassbar nett sie sind und findet sie gleich noch viel toller. „Wast wie guad des is, wann alle zmittag linsen essen und dann in einen Kinosaal gehen?“ Ich kann mir nicht mal vorstellen, wie anstrengend es sein muss, diese 84 Kurzfilme in nur 3 Tagen zu schauen. Und natürlich danach noch richtig Spaß haben bei den Nightlines – das kommt beinahe einem Marathon gleich. Filmemacher*innen und Cineast*innen sind sogar noch härter im nehmen als Sportler*innen.

Meine Zitate des Tages:

„My children need new shoes for their feet.“

„Von der Freiheit überfordert.“

von Lenni Brunnbauer