Abhängfabrik, what is dis?

Der Name ist Programm: In der Abhängfabrik wird abgehangen und fabriziert. Ein motiviertes, talentiertes, euphorisiertes, wunderschönes, charmantes, intelligentes, energetisches junges Team aus Social-Media-Expert_innen, Fotografinnen, Radiomacherinnen, Autor_innen, Künstlerinnen, Grafikerinnen, Filmemacher_innen und Hobby-Philosoph_innen hat sich heuer zum Ziel gesetzt, all jenen, die in dieser Woche nicht den Weg ins Zentrum der Welt gefunden haben, zu zeigen, was man hier verpasst! Last but not least ist unser Blog natürlich auch für all jene, die es zwar zur YOUKI geschafft, aber noch nicht herausgefunden haben, wie man sich vervielfältigen kann, um auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen... Wir chillen auf Hochtouren, um Euch täglich sowohl die Highlights als auch die kostbaren kleinen, aber nicht weniger feinen Momente unseres facettenreichen Festivals zu präsentieren! In diesem Sinne: Stay tuned and hang loose!

Eure YOUKI-Redaktion

Die YOUKI-Eröffnungsmoderation: Anton Kolmbauer, Pia Entenfellner © Hanna Herceg

YOUKI wird volljährig

Zum achtzehnten Mal findet dieses Jahr das „International Youth Media Festival“ in Wels statt und bietet ein breitgefächertes Programm an Filmen, Konzerten, Gesprächen, Workshops und vielem mehr.

Seit gestern steht also alles unter dem Zeichen von YOUKI 2016: Im Medien Kultur Haus waren die letzten Vorbereitungen noch in vollem Gange, es wurde getüftelt und gewerkelt, um die herbeigesehnte YOUKI um Punkt 19:00 endlich eröffnen zu können. Allerlei Menschen von alt bis jung versammelten sich im Eingangsbereich des Medien Kultur Hauses und lauschten der Moderation und den Interviews, in denen das Programm und viele weitere Highlights der YOUKI vorgestellt wurden. Auch der diesjährige Festivalfokus wurde bereits heiß diskutiert, man hörte verschiedene Interpretationen zum Thema „Abhängen“: Ob auf einer Parkbank, in der Jugendherberge oder anderswo, wichtig ist doch nur, dass man dort Leute trifft, mit denen man gerne Zeit verbringt. Und das kann man auf dem Festival auf jeden Fall!

Danach wurde in den Kinosaal geladen, wo das Publikum beim Abhängen in gemütlichen Sesseln einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage bekam. Ein toll kuratiertes Programm mit Werken von Regisseuren aus jeder Altersklasse begeisterte die Zuschauer und machte Lust auf die spannenden, facettenreichen Filme, die einen diese Woche im Wettbewerbsprogramm noch so erwarten werden. Von Komödien, kritischen Zukunftsszenarien, Coming-of-Age-Dramen über Experimentalfilme bis hin zu Animationen ist von Mittwoch bis Freitag von 09:00-17:00 für jeden etwas dabei!

Nachdem die Leinwand dunkel und der Kinosaal wieder hell wurde, konnte man an dem Filmgespräch mit den sympathischen Hauptdarstellern und Filmemachern von SIMPLY THE WORST (D 2015) teilhaben. Als hätte man während des Films nicht schon genug gelacht, war es auch beim Interview mit Johannes Kürschner und Franz Müller nicht möglich, die Lachfalten und Bauchmuskulatur zu entspannen.

Nach all dem Gelächter begab man sich schließlich die Stufen hinauf in die Galerie des Medien Kultur Hauses, wo Getränke und ein vorbereitetes Buffet auf die Gäste warteten. Ganz dem Fokus „Abhängen“ gemäß wurde heuer auch die Galerie gestaltet: Mit roten Stoffen, die von der Decke hängen, sind einzelne Bereiche der Galerie räumlich abgetrennt und schaffen mit verschiedenen Sofas, Couchsessel und Matratzen perfekte Nischen zum Abhängen und eine traumhaft gemütliche Atmosphäre – dazu noch gute Musik und ein lustiger Abend ist garantiert.

Nun ist es soweit! Die YOUKI 2016 ist offiziell eröffnet!

Also kommen, kommen, kommen! Freut euch auf tolle Filme, Gespräche, Konzerte und Partys! Lasst uns gemeinsam abhängen!

Michaela Vujasinovic

Åbhänga, wos is des?

Schon an den Definitionen des Duden kann man erkennen, wie vielfältig die Bedeutung des Wortes ist: Abhängen wird erklärt als „durch längeres Hängen mürbe werden [Fleisch]“, „herunterhängen“, „abfallen “, „jemandes Willen oder Macht unterworfen sein“, „auf jemanden oder etwas angewiesen sein“, oder „in entspannter Atmosphäre seine Freizeit verbringen“.

Natürlich muss schon zugegeben werden: Durch das Arbeiten und die vielen Partys werden unsere Körper während der YOUKI immer müder und auch mürber. Aber: Unser Geist wird durch den belebten Austausch beim gemeinsamen Abhängen mit jedem Tag frischer! Denn das wichtigste beim Abhängen sind die „richtigen“ Leute und die gemütlichen Orte, welche die ungezwungene und entspannte Atmosphäre erst ermöglichen – Voraussetzungen, die hier auf jeden Fall zu 200% gegeben sind.

Wie umfassend der diesjährige Festivalfokus und vielfältig der Begriff abhängen tatsächlich ist, versteht man jedoch erst, wenn man die Konnotationen verschiedener Leute zu diesem Thema hört. Obwohl jeder diesbezüglich eine ähnliche Vorstellung hat, ergibt sich abhängen für jeden aus unterschiedlichen Situationen und Kontexten. Deshalb habe ich unsere Besucher befragt:

Marie

„Mich mit meinen Freunden bei der Bushaltestelle treffen, Oldies hören, rauchen und trinken.“

Fion

„Dass ich nichts Produktives tue, Youtube Videos gucke, die mich nerven, die ich aber trotzdem gucke.“

Boris

„Auszeit nehmen. Produktives Nichtstun“

Patrick

„Nichts tun. Nicht nachdenken zu müssen und mein Leben zu vergessen.“

Gabi

„Entspannen. Am liebsten an der Bar bei Bier und guter Musik.“

Maria

„Musik“

Johannes

„In der Werkstatt sinnlos rumzusitzen und ääiu Spridd (Bier trinken Anm. d. Red.)

Sarah

„Entspannt Zeit verbringen; ungezwungen; unproduktiv; Freunde; Hip Hop“

Erich

„Entspannen. Nichts tun. Das kann man überall. Wenn man’s kann, kann man’s überall.“

von Magdalena Schobersberger

Abhängen auf der YOUKI © Hanna Herceg

„If you will it, it is no dream!“

Lehrlingsprojekt 2016 © Anja Kundrat, Maria McLean
Lehrlinge analysieren Film © Anja Kundrat, Maria McLean
„If you will it, it is no dream!“

Dieses Zitat von Dimitri Sautin zieht sich durch den ganzen Film. Der Turmspring-Olympiasieger ist der fiktive Held in Aris tristem und trostlosem Leben. Seine Mutter kümmert sich nicht um ihn, sein Bruder ist weg, Ari ohne Freunde. Das Freibad als Rückzugsort ist für Ari von großer Bedeutung. Dort kann er auch seiner Leidenschaft, dem Turmspringen, nachgehen und wird sich dann jedoch eines Tages beweisen müssen: Wagt er den Sprung vom Zehnmeterturm beziehungsweise in ein neues Leben?

Lehrlinge aus der Berufsschule 9 in Linz analysierten den Kurzfilm IT IS NO DREAM (AT 2015) ganz genau und zerlegten ihn in seine einzelnen Bestandteile.

Bernadette Aigner und Christine Rosenthaler hatten die Aufgabe, ein Plakat für den Film zu gestalten. Dies meisterten die beiden so gut, dass es von der anwesenden Regisseurin Leni Gruber ganz spontan als Titelbild für ihren Film genommen wurde.

Unsere erste Frage an euch ist nun: Wie fühlt ihr euch?

Christine Rosenthaler: Ich bin sehr stolz auf uns, weil gerade ich als Lehrling im Printbereich noch nicht so viel Erfahrung habe. Wenn man dann so ein Projekt wie das Plakat macht und dieses auch spontan von der Regisseurin ausgewählt wird, ist das eine echt tolle Sache.

Bernadette Aigner: Auch ich finde es extrem toll und bin total stolz. Es ist großartig zu wissen, dass deine eigene Idee angenommen wurde und sie bei vielen Leuten auf ein positives Feedback stößt.

Was war euer Hauptgedanke bei der Entwicklung dieses Titelbildes?

Christine Rosenthaler: Am Beginn unserer Arbeit machten wir uns über die Farbverwendung Gedanken, wobei wir uns sehr an den Film anlehnten. Hauptsächlich ist der Film von den Farben Gelb und Blau dominiert, die zum Beispiel in der Kleidung oder im Wasser vorzufinden sind. Gelb steht symbolisch für Optimismus und Jugendlichkeit, die Farbe Blau repräsentiert Freiheit und Wasser.

Könnt ihr den Aufbau eures Plakats beschreiben und erklären, wie sich die wichtigsten Elemente des Films darin widerspiegeln?

Bernadette Aigner: Wir teilten das Plakat in drei verschiedene Elemente auf. Den ersten Teil bildet das Gesicht des Jungen, dessen hoffnungsvollen Augen auf seinen Traum gerichtet sind. Das Sprungbrett steht für den zweiten Teil, bei dem er am Überlegen ist, ob er nun wirklich springen soll oder nicht. Den dritten Teil bilden das Wasser und die Fliesen, die den Pool symbolisieren sollen.

Was soll eure Schrift beim Betrachter auslösen?

Bernadette Aigner: Zunächst ist zu sagen, dass wir eine Art Handschrift verwendeten. Auf der einen Seite wollten wir eine geradlinige Schrift verwenden, die sozusagen ‚straight’ ist. Doch auch der Drang nach Freiheit sollte spürbar sein...

Christine Rosenthaler: ... deswegen ist unsere Schriftart auch verschnörkelt, wodurch die Verspieltheit der Buchstaben die Hoffnungen und Wünsche wiedergibt.

Die YOUKI eröffnet gerade jungen Künstlern die Chance, ihre Träume auszuleben.

Sarah Hackl & Helene Palk

Abhäng-Zeit = Reflexions-Zeit

Zwei Stunden mit Andi Eli & Gus Van Sant


Der diesjährige Festivalfokus ist aufs Abhängen gerichtet – eine Tätigkeit, die meistens mit Nichtstun konnotiert wird. Ein Privileg der Kindheit und Jugend also, das man sich als Erwachsener angeblich nicht mehr leisten kann. Komisch eigentlich, denn Abhängen kostet ja nix. Unbezahlbar, wertvoll und bereichernd ist es dennoch – zumindest für jene, die nicht nur in ökonomischen Dimensionen denken, sondern auch humanistische Ansprüche ans Leben stellen.
Abhäng-Zeit ist keine verlorene oder vergeudete Zeit. Im Gegenteil: Wem es gelingt, aus dem streng getakteten Weltenlauf auszubrechen, die Verpflichtungen, die im Terminkalender stehen, zu vergessen und stattdessen dem Müßiggang zu frönen, der macht sich selbst ein Geschenk – wer diese Zeit zudem mit einem guten Film füllt, vorzugsweise sogar im Kino, gemeinsam mit anderen, wird diese Zeit vermutlich intensiver wahrnehmen und spüren als den Rest des Tages.

Die zwei Stunden, in denen Andi Eli Gus Van Sants Film PARANOID PARK (USA 2007) auf 35mm präsentierte, haben sich jedenfalls als erinnerungswürdiges Erlebnis ins Gedächtnis eingeschrieben: Einerseits wegen der Begeisterung, mit der Andi den Film vorstellte, andererseits wegen PARANOID PARK selbst: Alex, der heranwachsende Protagonist, ist Skater, zumindest wäre er gern einer. Als er zum ersten Mal Portlands titelgebenden Skate-Park besucht, der von coolen Jungs und schönen Mädchen bevölkert ist, scheint er seinen Ort zum Abhängen gefunden zu haben. Doch die Entdeckung bleibt weder folgenlos noch die einzige, die er im Lauf des Films machen wird: Nach und nach kehrt eine verdrängte Erinnerung zurück, eine Schuld, mit der der traumatisierte Teenager leben muss, von der er aber niemandem erzählt – außer dem Publikum.

Im anschließenden Gespräch arbeitete Andi die spezifische Handschrift und Erzählweise des Regisseurs heraus und legte dabei besonderes Augenmerk auf die Kameraarbeit, die Montage und das Sounddesign des Films. „Der Film hat nichts mit Realität zu tun, er zeigt uns Alex’ Wahrheit“, so Andi. Van Sant kehrt das subjektive Empfinden seines Protagonisten hervor, dringt mit teilweise surrealen Bildschöpfungen in die subjektive Innenwelt seines Protagonisten ein und lässt den Zuschauer an dessen schmerzhaftem Bewusstwerdungsprozess teilhaben, den Alex durch das Schreiben eines Briefes in Gang setzt, den er niemals abschicken wird.

Die Beschäftigung mit adoleszenten Protagonisten und deren Lebenswelten zieht sich wie ein roter Faden durch das Œuvre des amerikanischen Autorenfilmers. Seine Figuren hängen ab, sie tun nicht viel, innerlich sind sie aber immer in Bewegung. Was manche als Weltflucht beschreiben würden, erweist sich hier als Weltkonfrontation. Unbeschwerte Teenager, jugendlicher Hedonismus oder gar Eskapismus lassen sich in Van Sants Filmen nicht aufspüren. Pubertät offenbart sich bei ihm immer als Krise, als problematische Passage, als Suche nach Identität, Sinn und Zugehörigkeit – als Zustand, der Müßiggang und unbestimmtes Driften verlangt, um zu sich selbst finden zu können.

Michelle Koch

Inspiriert von NINO (D 2016) © Hanna Herceg
Plakatentwurf von Christine Rosenthaler und Bernadette Aigner

YOUKI-Tagebuch, 23.11.2016

Nach einem sehr stressigen Morgen, da wir einfach unfähig sind, unsere Duschzeiten zu koordinieren, rauschten wir zu unserer 1. Redaktionssitzung. Nachdem einige Sachen geklärt wurden, durften wir unserer Kreativität freien Lauf lassen und einige Ideen zu passenden Beiträgen sammeln. Zwei von uns sechs konzentrierten sich am Vormittag auf die Workshops, während die restlichen das Vormittagsprogramm von 10:30-12:00 besuchten.

Während Helene und Sarah viel über Filmanalyse lernten und auch selbst Filme analysierten, wie sie uns später berichteten, blieb in den Köpfen der anderen sehr stark der Kurzfilm DER ERNST UND DAS LEBEN (AT 2016) hängen. Kurz gesagt geht es in dem Film um einen Rucksack, der den Protagonisten vom Schulalter an ein ganzes Leben lang durch alle Höhen und Tiefen begleitet. Dieser neunminütige Film fesselte uns sowohl durch die fulminante Kameraführung, deren Fokus ausschließlich auf dem Rucksack lag, als auch durch die non-verbale Kommunikation zwischen dem Protagonisten und seinen Mitmenschen.

Da wir uns letztes Jahr auf der YOUKI fünf Tage lang von chinesischen Nudeln ernährt hatten, durften wir dieses Jahr diese aufgebaute Tradition nicht brechen und suchten den nächsten Chinesen auf. Nach dem reichhaltigem Mittagessen begaben wir uns zu viert zur Jugendherberge, um die eine oder andere Sendung für unser Radio zu schneiden ... und um ein kleines Mittagsschläfchen zu halten.

Voller Energie rauschten wir am späten Nachmittag zur fm4 Filmschiene „Her, Herself and She“, wo die Filme WALD DER ECHOS (AT 2016) und LAS LINDAS – THE PRETTY ONES (ARG 2016) gezeigt wurden, die beide von südamerikanischen Regisseurinnen realisiert wurden.

Was darf auf der YOUKI nicht fehlen? Natürlich die bekannte Nightline. Nach dem Screening von PARANOID PARK (USA 2007) wurde der eine oder andere Spritzwein konsumiert, jedoch leider nicht von mir, da ich am Abend wegen einer Erkältung das Bett hütete, bis meine Kollegen mich sehr sanft mit lauter Popmusik um 3 Uhr Früh weckten – es lebe die YOUKI!

Magdalena Neuhauser

YOUKI-Tagebuch, 24.11.2016

Putzmunter wachten wir heute auf, da natürlich alle frühzeitig ins Bett gegangen waren. Unser erster Weg führte uns zum Frühstück in der Jugendherberge, wo viel Kaffee und die eine oder andere Nutellasemmel verdrückt wurden. Danach begaben wir uns zum Medienkulturhaus und teilten uns auf: Die eine Hälfte steuerte die Redaktion an, während die anderen das Wettbewerbsprogramm um 10:30-12:00 mit ihrer Anwesenheit beehrten. Im Programm stach besonders der knapp 19-minütige Kurzfilm REISE NACH NIRGENDWO (D 2015) heraus. In dieser kurzen, ja, man könnte es fast Komödie nennen, ging es um den LKW-Fahrer Bernhard, der eher widerwillig die junge Tramperin Kirsten mitnimmt. Bald stellt sich heraus, dass die Frau nicht nur ein Geheimnis hütet: Sie hatte, bevor sie in den Lastwagen Bernhards gestiegen war, eine Bank ausgeraubt, wegen Geld- und Adrenalinmangels. Die charmante junge Frau hat Krebs, spricht darüber aber nur ungern. Während das sehr ungewöhnliche Duo durchs Land fährt, werden sie von einem Polizisten verfolgt, bis Kirsten sich entschließt, aus dem LKW auszusteigen und sich ins nächste Abenteuer zu stürzen.

Der Film hat zwar schon eine gewisse Ernsthaftigkeit, da Themen wie Tod und Krankheit angesprochen werden, aber man geht nicht mit einem traurigen Gefühl aus dem Kinosaal, da man bei mehreren Szenen lauthals loslachen muss. Erwähnenswert sind auch die Darsteller, die in ihren Rollen glänzen.

Nach dem Wettbewerbsprogramm stand das Schneiden der Radiosendungen und Schreiben der Beiträge an, wozu wir in unser Zimmer gingen, da wir hier unser ganzes Potenzial an Kreativität ausnutzen können. Der Nachmittag verging rasch und um 20:00 besuchten wir die Medienshow im MKH. Unter der hervorragenden Moderation von Dominika Meindl wurden in der Show neben Themen wie Sexismus in der Arbeitswelt, patriarchale Lebenseinstellungen zahlreiche Themen angesprochen.

Heute war auch die erste Nightline im Schl8hof – da musste man ja auf ein oder zwei Getränke hinschauen. Die Zeit verging sehr rasch, wie immer, wenn man Spaß hat, und so trudelten die letzten um 4 Uhr morgens in der Jugendherberge ein.

Magdalena Neuhauser

Abhängen am Schl8hof © Hanna Herceg

„Where do the children play?“

Jugendliche/YOUKI-Teilnehmer_innen kämpfen um den Erhalt der Jugendherberge

Die Welser Jugendherberge, die direkt neben dem Alten Schlachthof liegt und somit eine ideale Lage aufweist, soll Ende des Jahres 2016 geschlossen werden. Sowohl die Jugendherberge als auch der Schlachthof (dessen Schließung glücklicherweise abgelehnt wurde) bieten den Jugendlichen Raum für die Entfaltung ihres politischen, kreativen und produktiven Potenzials. Wer sich keine Zeit zum Durchatmen, Innehalten und Nachdenken nimmt und sich vollkommen vom kapitalistischen System, dem Räderwerk der Arbeit und vom Ernst des Lebens einfangen lässt, der hat auch keine Möglichkeit, politische und gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren, eigene Meinungen auszubilden und selbst aktiv zu werden. All die Ideen für Projekte, Veranstaltungen und Aktionen, die in Wels stattfinden, sind vermutlich entstanden, während die Leute miteinander abgehangen und ihren Gedanken freien Lauf gelassen haben. Wenn der Jugend nun die Basis, also der Raum, in dem Projekte entstehen, sich entwickeln und groß werden können, weggenommen wird, ist die Frage, wo das hinführen soll, durchaus berechtigt. Was wäre Wels ohne eine aktive, hinterfragende und alternative Jugend, oder: Was wäre Wels ohne DIE Jugend??

Der Welser Bürgermeister Dr. Andreas Rabl äußerte sich folgendermaßen zu den Einsparungen: „Gemeinsam mit den Fraktionen ist es gelungen, eine breite Mehrheit für 16 Einsparungsvorschläge zu finden. Eine Budgetsanierung ist für zukünftige Generationen unbedingt notwendig. Wichtig ist mir dabei, dass die Einsparungen sozial ausgewogen und verträglich durchgeführt werden.“ Ist der Weg, vielen Jugendlichen die Basis der Kreativität und der freien Gedanken, die in vielen Fällen innovative Projekte zur Folge haben, zu nehmen, wirklich der richtige? Oder ist diese geplante Maßnahme nicht kontraproduktiv für die Zukunft der Stadt und des Landes?

Survival of the richest?

Die Stadt Wels argumentiert die Schließung der Jugendherberge mit einer zu geringen Auslastung. Sowohl im Jahr 2014 als auch 2015 gab es eindeutig niedrigere Besucherzahlen als 2013, was mitunter auf den Gemeinderatsbeschluss des Jahres 2013 zurückzuführen ist, der eine Tariferhöhung festlegte. Erwähnenswert ist hier noch, dass im Jahr 2016 (bis heute) ein Anstieg der Besucherzahlen zu verzeichnen ist. Aber Wels setzt hauptsächlich auf seine Messen und auf zahlende Hotelgäste. Die Jugend, deren Budget einen Hotelaufenthalt in den wenigsten Fällen zulässt, wird also außen vor gelassen. Rechtfertigt die zu geringe Auslastung der Jugendherberge wirklich die Schließung? Sollte Kindheit und Jugend nicht die Zeit sein, in der man die Chance zum Experimentieren bekommt und sich gerade ohne Rücksicht auf ökonomische Faktoren frei entfalten darf? Also bitte: muss sich denn Jugend wirklich ‚auszahlen’?

„Im Hostel zu sein ist wie eine Klassenfahrt“

Laut Angaben der Jugendherberge sei während der YOUKI als auch während des Festivals „music unlimited“ im Alten Schlachthof das Hostel zu 120% ausgebucht, da aufgrund der hohen Auslastung auch alle Notbetten genutzt werden (und das sagenumwobene düstere Kellerzimmer). Insbesondere für die YOUKI ist die Jugendherberge von großer Bedeutung, da ein Großteil der Organisator_innen und Teilnehmer_innen dort nächtigt. Die Übernachtungen in der Herberge während der YOUKI haben sich mittlerweile zur Tradition entwickelt. Das bestätigt auch der Filmemacher Fion, der heuer zum dritten Mal bei der YOUKI ist und auch in diesem Jahr in der Jugendherberge übernachtet, obwohl für ihn ursprünglich ein Hotelzimmer vorgesehen war: „Die Jugendherberge und die Partys sind eine gute Möglichkeit, sich abseits vom Filmemachen bei der YOUKI kennenzulernen. Das geht nur wegen der Partys und dem Hostel, denn dort verbringt man Zeit im Schlafanzug zusammen – und das ist ehrliches Zusammensein. Im Hostel zu sein ist wie eine Klassenfahrt, der einzige Unterschied ist, dass man die Leute im Vorhinein nicht kennt.“

Was die Zukunft betrifft bleiben wir also einstweilen ratlos. Wo sollen bloß alle YOUKI-Gäste im nächsten Jahr nächtigen, sind doch ein Großteil der Besucher_innen Jugendliche? Und generell: Wo sollen künftig Gäste, die eine Unterkunft in Wels brauchen – sei es nun, weil sie auf einem Konzert im Schlachthof waren oder eine andere (kulturelle) Veranstaltung besucht haben – verbleiben, wenn sie sich kein teures Hotel leisten können oder wollen? Wels, was hast Du Dir dabei nur gedacht?

„Will you keep on building higher

’Till there’s no more room up there?

Will you make us laugh, will you make us cry?

Will you tell us when to live?

Will you tell us when to die?“

(Cat Stevens)

Magdalena Schobersberger

Am Freitagabend versammelte sich eine Trauergemeinschaft aus über 100 Festivalbesucher_innen und Welser Bürger_innen, um in einem Schweigemarsch die bevorstehende Schließung der Jugendherberge zu beklagen. Die Niederlegung des Trauerkranzes wurde von Wolfgang Wasserbauer mit einer bewegenden und hoffnungsspendenden Gedenkrede begleitet: „Nach dem Tod, da kommt die Auferstehung. Und wer weiß, vielleicht ist sie, unsere Geliebte, ja auch noch gar nicht mausetot.“ Amen! © Hanna Herceg

Abhängen im virtuellen Raum

Gehen wir mal weg vom Konzept des räumlichen Abhängens und vertiefen uns in eine andere Form von Abhängen, ermöglicht durch ein Medium, das vor Jahren noch gar nicht existierte.Gemeint ist das Internet: Was früher nur ein Werkzeug war, um Datenpakete von einer Militärbasis zur anderen zu transportieren, hat sich durch Weiterentwicklungen und Plattformen zu etwas geformt, das eine Art virtuellen Raum darstellt, in dem sich Menschen grenzenlos austauschen können.Gehen wir in die Zeit von 1979 zurück, zur Entwicklung des Usenet Systems an der Duke University, wo – ausgehend von der Idee, eine Plattform zu entwickeln, die es möglich macht, seine Meinung öffentlich kundzugeben und Feedback zu bekommen – erstmals ein virtueller Raum entstand. Durch den Ausbau der Infrastruktur des Internets konnten komplexere Austauschformate erstellt werden, sodass man sich auch als Individuum darstellen konnte und dadurch eine andere Abstraktionsebene erreichte, auf der nicht nur die Nachricht selbst wichtig ist, sondern auch, von wem sie kommt. Es entstanden Plattformen wie ICQ, MySpace, LinkedIn, die dem Normalverbraucher den Austausch ohne hoch komplexe Vorgänge gestattet.Die neusten Entwicklungen im Bereich von Virtual Reality machen es möglich, dass man nicht mehr denselben Raum teilen muss, um mit Menschen zu kommunizieren: Inzwischen kann man mit seinen Freunden „abhängen“, ohne sich geografisch nah zu sein.Von Jahr zu Jahr werden die Grenzen zwischen realem Raum und virtuellen Raum zunehmend verschwimmen, was – wie man dank der Internetplattformen Facebook, Instagram, Skype oder Twitter bereits beobachten kann – den fortschreitenden Wandel menschlicher Kommunikationskultur zur Folge hat. Wie immer hat die Medaille zwei Seiten: Die Welt wird kleiner, Distanzen überbrückt, alles schön und gut. Die Relevanz von realen Begegnungsräumen darf deshalb jedoch nicht in Vergessenheit geraten – danke YOUKI, dass es Dich gibt!Enes Berk Sakalli

Abhängen auf der YOUKI

„Beeil dich, dein Bus fährt gleich – den verpasst du sonst!“ „Schnell, wir müssen noch einkaufen fahren!“ „Lernt viel, denn ich will nicht, dass das Ergebnis wieder so schlecht ausfällt.“ „Schreibt die Vokabel ein und lernt sie. Zusätzlich nicht den Text vergessen!“ „Gib Gas, wenn du jetzt nicht rascher arbeitest, wirst du es bis zum Abgabetermin nicht fertig bekommen!“

Solche oder ähnliche Sätze bekam ich in der Zeit vor der YOUKI oft zu hören. Ziemlicher Schul- und Alltagsstress. Ich wusste nicht mehr, wann ich was machen sollte. Eine hektische, angespannte, stressige Zeit. Doch dann fuhren wir nach Wels zur YOUKI und ließen dabei – frei nach dem Motto „abhängen“ – all dies hinter uns. Hier ist alles viel sorgenfreier, viel entspannter, viel ruhiger. Einfach wunderbar zum Abhängen!

Helene Palk

Träumen

Was mir beim Wort abhängen sofort in den Sinn gekommen ist, war ein Bild, wo jemand gelangweilt auf der Couch liegt. Als ich mich dann genauer mit dem Thema auseinandergesetzt und ein bisschen philosophiert habe, wurde mir schnell bewusst, dass abhängen viel produktiver sein kann. abhängen kann nämlich so oder so sein. abhängen kann alles sein. Auch hier in der Redaktion zu sitzen, zu chillen und Gedanken niederzuschreiben ist abhängen. Das wichtigste dabei ist, dass dem Geist die Möglichkeit geboten wird, sich von der Realität zu entfernen und zu träumen und dadurch können Dinge erschaffen werden.

Magdalena Schobersberger

Gemütlich auf der Matratze entspannen, sich in die weichen Polster kuscheln und dem Durcheinander der Stimmen lauschen. In der Galerie des Medien Kultur Hauses kann man in der Entspannungsecke richtig abhängen. Nicht lange überlegen, einfach hinlegen und alles fallen lassen: dem Schulstress entkommen, dem Alltag entkommen, einfach alles für ein paar Minuten vergessen. Dieser Moment gehört nur dir, du bestimmst deine Gedanken und Gefühle. Lass dich in die Welt der Ruhe und Entspannung verzaubern, ein erholender Augenblick, richtig zum Abhängen!

Sarah Hackl

Auf der YOUKI abzuhängen bedeutet für mich gute Filme zu sehen, nette Leute zu treffen und viele unvergessliche Momente zu sammeln. Die Galerie im Medien Kultur Haus in Wels ist dafür definitiv ein geeignetes Plätzchen. Dort über Filme, Veranstaltungen, etc. mit den vielen netten Leuten und Filmemachern zu plaudern, ist klar eines meiner YOUKI-Highlights.
Ein weiterer „Abhäng-Hotspot“ für junge Leute ist der Alte Schlachthof. Die legendäre YOUKI Nightline motiviert junge Leute gemeinsam den Abend zu verbringen und einfach mal abzuhängen! Beats aus der alternativen Musikszene lassen die YOUKI-Besucher tanzen, singen und feiern. Die Nightline ist ganz klar eine der beliebtesten Veranstaltungen im Zuge des Internationalen Jugend Medien Festivals. Alles in einem kann man definitiv sagen, dass die YOUKI ein perfekter Platz zum Abhängen für junge und filmbegeisterte Menschen ist.

Barbara Koller

Wo Gemütlichkeit und Liebe keine Grenzen kennen

Es ist spät, der Mittwoch neigt sich dem Ende zu, die Räume des MKH leeren sich allmählich, alle sind müde. Weil man sich aber irgendwie doch noch nicht so recht verabschieden will, versammeln sich die letzten Überlebenden im schummrigen Wohnzimmer zum ruhigen und intimen Sit-in, um dem Liedermacher Herodin zu lauschen. Erschöpfte Körper sinken in die Polster und Kissen, manche dösen mit glückseligem Gesichtsausdruck weg, kuscheln sich an ihren Nachbarn, alle sind entspannt, es wird kaum gesprochen, man versteht sich auch ohne Worte: Peace, Love and Understanding – ach, könnt’ doch immer YOUKI sein.

Michelle Koch

Ein beobachteter Abhäng-Moment

Im MKH-Hof sitzend, werde ich Zeugin eines ultimativen Abhäng-Moments: Frau, Mann und bereits erwachsene Tochter inklusive wuscheligem, großem Hund kommen aus dem Restaurant auf die Terrasse. Sie wollen durch den Hinterausgang zur Straße. Die drei Menschen trippeln flink die Gitterstufen nach unten, nur der Hund ist der Meinung, viel zu gut für diese kalte Treppe zu sein, legt sich oben gemütlich auf den Bauch und genießt die Aussicht. Nach einigem Hin und Her – „Sollen wir nicht doch den Hauptausgang benützen, der Hund will da nicht runter“ und „Iatzt kemmts hoid bittsche“ – nimmt die Tochter all ihre Kräfte zusammen und schleppt den dicken Hund, der ausgesprochen fröhlich dreinblickt, die Stufen hinunter.

Lena Steinhuber

Ruhe vor dem Sturm

Da war sie.

Während der letzten Tage gab es viel zu erleben. Menschen versammelten sich, um gemeinsam abzuhängen.

Gemeinsam besuchten wir das Kino, um uns die fantastischen Filme anzusehen. Dabei hatte ich die Ehre, viele interessante Personen aus der Filmbranche befragen und kennenlernen zu dürfen.

Gemeinsam sahen wir uns am Schlachthof Wels Konzerte an und tanzten dazu.

Gemeinsam lauschten wir dem Filmgespräch, während herzhaft ein Brunch für uns vorbereitet wurde.

Gemeinsam verbrachten wir die Nächte und feierten, bis die frühen Morgenstunden anbrachen.

Doch dann war sie da.

Das Filmgespräch dauerte etwas länger und das Abendprogramm verzögerte sich. Ich betrat die Galerie.

Und da war sie.

Die Stille.

Ich ließ mich auf den Liegestuhl nieder und streckte die Beine aus.

Ich betrachtete noch einmal die Galerie und die paar Leute darin, die noch die letzten Handgriffe vollbrachten, um den Raum für die bald stürmende Meute zu perfektionieren.

Kurz genoss ich die Stille und unterhielt mich mit Freunden, die schon auf den anderen Liegestühlen auf mich warteten.

Dennoch freute ich mich wieder auf die Menschenversammlungen und darauf, die fabelhafte Festivalstimmung weiter zu führen.

Das war er.

Mein persönlicher „Abhänge-Moment“

Michaela Vujasinovic

Flamingo

Nun bin ich hier und hänge ab,

und dreh mich um, wer sieht da herab?

Ein kleiner Kerl ganz flauschig und pink,

sitzt da bei der Stiege, schnapp ihn mir flink.

Nun teil ich mit ihm den großen grünen Stuhl,

spielen Sonic auf der Xbox, das ist doch mal cool.

Die Wahrheit ist jetzt zwar etwas tragiös,

aber er hat immer gewonnen und das noch pompös!

Nun ist es vorbei und ich ganz am Boden zerstört,

der Flamingo besiegt mich, jetzt bin ich empört!

Mein kleiner Freund mit Watte im Bauch,

Hut ab! Mein Highscore ist wahrlich nur mehr

Schall und Rauch...

Hanna Herceg

Abhängen auf der YOUKI © Hanna Herceg
Superhuman - Filmmaking © Anja Kundrat, Maria McLean

Von Realität zu Superkraft – die YOUKI hat´s geschafft!

Mit YOUKI, dem International Youth Media Festival, verbindet man immer Filme, Filme und noch mehr Filme. Insgesamt wurden 97 Filme verschiedenster Sprachen und Kulturen im Rahmen der Competition-Programme gezeigt. Doch die YOUKI hat nicht nur Filme zu bieten, sondern auch eine ganze Hand voll grandioser Workshops. Von Graffiti über Filmschnitt bis hin zu „Superhuman – Filmmaking“.

Wir besuchten letzteren Workshop, wo der Londoner Künstler und Designer Joseph Popper zu Beginn eine Präsentation gab. Sie gab den Jugendlichen einen guten Vorgeschmack auf das bevorstehende Projekt, in dem ein ein- bis zweiminütiger Kurzfilm entstehen sollte.

Joseph Popper untersucht die Raumfahrt, um sich Zukunftsgeschichten vorzustellen und fiktive Erlebnisse wirklichkeitsgetreu nachzuahmen. Deshalb zeigte er den jungen und begeisterten Teilnehmer_innen in seiner Präsentation, wie man durch einfache Tricks die Schwerelosigkeit auf die Leinwand bringt.

Durch Wissenschaft, Technologie und Design werden Menschen immer mehr zu Supermenschen. Das Ziel dieses Workshops war allerdings, die Superkräfte von eigener Hand zu erzeugen und sich nicht auf High-Technology zu verlassen. Durch den Einsatz von kleinen Hilfsmitteln, Tricks und speziellen Techniken wird eine Superhelden-Story erzählt, bei welcher es um einen jungen Mann geht, der in einem zu kleinen Raum lebt und aus diesem ausbrechen möchte. Durch Superkräfte versetzt er die Wand in Bewegung, um sein Zimmer zu vergrößern, was wiederum zu Reibereien mit den Nachbarn führt.

Wir waren von den Tricks sehr beeindruckt und der Workshop weckte in uns den Wunsch, selbst zum Superhelden zu mutieren und mit vereinten Superkräften einen Kurzfilm zu drehen. Weiters begeisterte uns die Tatsache, dass mit viel Engagement auch in wenigen Tagen Großes erreicht werden kann!

Helene Palk & Sarah Hackl

Graffiti-Workshop © Hanna Herceg
Filmschnitt-Workshop © Hanna Herceg

Anleitung zum Nichts-Tun

Eine Performance von Sarah Miriam Gaderer und Severin Gombocz

Herunterkommen, anhalten, mal kurz stehenbleiben im Trubel des Alltags und sich selbst hinterfragen
Auszug aus einem stressigen Leben: ''Oh Ok, let me think, I have to be there at 11 pm, so i still have an hour left, wait, maybe i can finish my paperwork on the trainride, or I also should still send my CV to Michael. Ah Shit, iI forgot to buy toilet paper, again. My flatmates will be so mad at me. Maybe i'll stop by at David's place, as it is on the way, I haven't seen him for ages! So approximately the meeting will last till about 6 o'clock. Afterwards, I can go finish my homework for the university. And then drinks with Sally. Ah shit, I hope I won't forget to buy the toilet paper, Viki and Theresa will kill me! Oh, Maxim is calling, I should better get going.''


Das Festivalmotto der YOUKI steht voll und ganz im Sinne des Abhängens. Jeder machts gern, oder doch nicht? Ist der Alltag zu stressig, haben wir überhaupt noch Zeit, um uns mal ein bisschen Nichts-Tun zu gönnen? Immer schneller, schneller, schneller bewegt sich die Achterbahn des Lebens: Wann können wir überhaupt noch wirklich Abhängen?

Müßiggang als Zeitvertreib

15:00, Welser Fußgängerzone: Sarah, Sevi und andere liebe Menschen helfen uns weiter und zeigen uns, wie einfach es doch sein kann, abzuhängen. Trotzdem ist es dann doch irgendwie schwer. Mit ihrer Performance auf der Fuzo in Wels wird uns wieder in Erinnerung gerufen, wie schön es doch sein kann, einfach mal innezuhalten. Passanten werden dazu aufgefordert, kurz stehen zu bleiben mit den Worten: ''Warts da dochmal kurz'', und ein Post-it wird in die Hand gedrückt, auf dem Sprüche stehen wie: ''Chill amal'' oder Ähnlichem. Gschwind befestigt Sarah rund um die Passanten weiße Rechtecke und Quadrate mit Klebestreifen am Boden. Manche reagieren verwundert, andere freuen sich, manche reagieren auch a bisserl grantig und bleiben gar nicht erst stehen. Der Sinn hinter dem Ganzen war, bewusst einfach mal anzuhalten, die Pause-Taste zu drücken, durchzuatmen und sich selbst zu hinterfragen.


17:00, Welser Fußgängerzone: Same Place, different Story. Es ist Zeit für den 5-Uhr-Tee! Die Idee für diese Performance kommt von der Britischen Tradition – Punkt 5 wird alle Arbeit liegengelassen, Tee getrunken und bewusst nichts gemacht, außer eben den Tee zu trinken. Weiterer Namensgeber der Performance ist der Roman The Long Dark Teatime of the Soul von Douglas Adams.
Die Szenerie ist sehr heimelig, Sarah und Sevi haben sich einen Tisch mit zwei Sesseln aufgebaut: Auf dem Tisch steht eine Kanne Tee, zwei Teetassen mit kleinen Teelöffelchen und ein Teller voller Kekse, Soletti gibt’s auch. Die zwei sitzen auf den Sesseln, mitten auf der FUZO: Viele Leute sind unterwegs, die meisten wohl zum Weihnachtsmarkt oder zum Blackfriday-Sale. Die zwei sitzen also da und trinken ihren Tee, ganz nach britischer Tradition. Sie werden von beinahe jedem registriert, aber nicht direkt angesprochen. Im vorbeigehen murmeln manche: ''Hoben die leicht nix bessers zum tuan'' oder ''sche hobtsas do''. Kinderaugen beobachten das Geschehen mit Faszination und freuen sich sichtlich über diese Abwechslung im Welser Stadtleben. Sarah und Sevi reden miteinander, ein Gespräch ohne Sinn. ''Fischers Fritz fischt frische Fische'' – dieser Satz wird zum Gespräch, zum sinnlosen Diskurs.


Bewusstseinserweiterung nach einer halben Stunde Performance


Der Sinn hinter der Performance wird Sarah und Sevi selbst erst nach der Performance so richtig klar. Es geht um das Nichts-Tun und um das Gesehen werden beim Nichts-Tun. Es kann als Analogie zur YOUKI verstanden werden. Weiters, dass man als Kulturschaffender oft allein dasteht. Oft unverstanden aufgenommen wird. Passanten fragen sich: Wieso macht jemand so etwas wie performative Kunst, und vor allem: Wieso macht jemand so etwas freiwillig?


Fazit: Kunst bewegt, Kunst regt an. Kunst bringt einen auf neue Ideen. Öffnet einem die Augen. Kunst heißt Veränderung. Kunst schenkt uns Ohren und Augen. Kunst macht uns sichtbar. Kunst gibt uns eine Stimme. Kunst wird oft missverstanden. Aber allein wenn sie zum Nachdenken anregt, haben wir schon gewonnen.
Kunst ist frei.


Marie-Christine Wilfer


YOUKI Nightline © Hanna Herceg

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